TOURISMUS, KULTUR UND GESCHICHTE: VIELFALT ERLEBEN. IDENTITÄT BEWAHREN.

2020 habe ich geschrieben:

Kultur in ihren vielfältigen Formen ist ureigener Ausdruck einer Gesellschaft. Sie kann zusammenführen und wichtige Impulse geben.

Und ich habe deutlich gemacht:

Kultur darf und muss uns auch etwas wert sein.

An dieser Überzeugung hat sich nichts geändert.

In den vergangenen fünf Jahren hat sich in Bad Segeberg im Bereich Kultur und Tourismus sehr viel entwickelt. Wir haben bestehende Angebote modernisiert, neue Veranstaltungen geschaffen und unterstützt, unsere Museen gestärkt, die touristische Zusammenarbeit mit unseren Nachbarn intensiviert und uns gleichzeitig sehr bewusst mit der Geschichte unserer Stadt auseinandergesetzt.

2026 erleben wir schließlich ein Veranstaltungsjahr in einer Dimension, wie wir es in Bad Segeberg bisher kaum gekannt haben.

WAS IST DARAUS GEWORDEN?

Bad Segeberg besitzt eine kulturelle und touristische Vielfalt, die für eine Stadt unserer Größe außergewöhnlich ist.

Karl-May-Spiele und Kalkberg, Noctalis und Fledermaushöhle, Landesturnierplatz, unsere Seen, Museen und Kirchen, Konzerte und Veranstaltungen – vieles davon zieht Menschen weit über unsere Stadtgrenzen hinaus nach Bad Segeberg. Auch das aktuelle Stadtentwicklungskonzept hebt diese besondere Kombination als wesentliche touristische Stärke unserer Stadt hervor.

Diese Vielfalt zu erhalten, weiterzuentwickeln und stärker miteinander zu verbinden, war eines meiner Ziele.

Und genau daran haben wir gearbeitet.

UNSER NOCTALIS HAT SICH WEITERENTWICKELT

Das Noctalis und die Kalkberghöhle gehören zu den besonderen touristischen Angeboten unserer Stadt.

In den vergangenen Jahren wurde das Noctalis modernisiert und weiterentwickelt. Es ist heute nicht nur ein touristisches Ziel, sondern zugleich ein wichtiger Bildungsort für Schulen und Familien.

Gerade die Verbindung von Naturerlebnis, Umweltbildung und Tourismus macht diesen Ort besonders.

Und mit Nordeuropas größtem natürlichen Überwinterungsquartier für Fledermäuse besitzen wir etwas, das Bad Segeberg weit über die Region hinaus unverwechselbar macht.

Tourismus bedeutet für mich deshalb nicht, etwas Künstliches zu schaffen. Wir müssen die Besonderheiten, die Bad Segeberg bereits besitzt, sichtbar und erlebbar machen.

GEMEINSAM SIND WIR TOURISTISCH STÄRKER

Ein wichtiges Ziel der vergangenen Jahre war für mich außerdem, nicht mehr ausschließlich innerhalb unserer eigenen Stadtgrenzen zu denken.

Seit mehreren Jahren arbeiten Bad Segeberg, Wahlstedt und Trappenkamp touristisch eng zusammen.

Ein sichtbares Ergebnis ist unser gemeinsamer Ortsplan. Die erste gemeinsame Auflage wurde 2024 eingeführt. 2026 wurde sie weiterentwickelt und unter anderem um Wanderrouten ergänzt. Neben Sehenswürdigkeiten enthält der Plan Informationen zu Badestellen, Spielplätzen, Freizeitangeboten und weiterer touristischer Infrastruktur in allen drei Kommunen.

Das ist für mich gelebte interkommunale Zusammenarbeit.

Denn einem Gast ist letztlich egal, an welcher Gemeindegrenze ein Angebot liegt.

Wer unsere Region besucht, soll unsere Region erleben können.

TOURISMUS WIRD DIGITALER

Auch unsere touristischen Angebote haben wir digital weiterentwickelt.

Stadtführungen und Informationen sind heute nicht mehr ausschließlich an feste Führungszeiten gebunden.

Ein Beispiel ist unser digitaler Kunst-Rundgang, mit dem Besucherinnen und Besucher per Smartphone 13 Kunstwerke und Skulpturen in Bad Segeberg entdecken können. Allein in der Innenstadt befinden sich mehr als 25 Kunstwerke im öffentlichen Raum.

Gleichzeitig haben wir Stadtführerinnen und Stadtführer ausgebildet, die unsere Stadt persönlich erlebbar machen.

Für mich ist beides kein Widerspruch.

Digital, wenn man Bad Segeberg auf eigene Faust entdecken möchte. Persönlich, wenn man unsere Stadt mit ihren Geschichten kennenlernen will.

AUS FAST 30 JAHREN STILLSTAND WURDE WIEDER EINE AKTIVE STIFTUNG

Ein Punkt gehört für mich unbedingt in diese Bilanz, obwohl er nach außen vielleicht weniger sichtbar ist:

die Stiftung Wirtschaft & Kultur.

Die Stiftung wurde bereits 1997 gegründet – war danach aber fast drei Jahrzehnte inaktiv.

2024 haben wir sie wieder aktiviert.

Damit steht Bad Segeberg heute wieder ein zusätzliches Instrument zur Verfügung, um kulturelle Veranstaltungen und Initiativen zu fördern, lokale Künstlerinnen und Künstler zu unterstützen und Kultur und Wirtschaft stärker miteinander zu vernetzen.

Und aus der wiederbelebten Struktur ist inzwischen ganz konkrete Unterstützung geworden.

Die Stiftung fördert beispielsweise den Verein „Die Oase – Musik und Kultur in Segeberg e. V.“ und damit Konzerte, Theater und weitere kulturelle Angebote der Kalkberg-Oase.

Das ist für mich ein schönes Beispiel dafür, was in den vergangenen Jahren gelungen ist:

Wir haben nicht nur einzelne Veranstaltungen unterstützt. Wir haben eine fast vergessene Struktur wieder zum Leben erweckt, mit der Kultur auch künftig gefördert werden kann.

DIE KALKBERG-OASE: KULTUR MITTEN IN DER STADT

Die Kalkberg-Oase hat sich zu einem besonderen Kulturort entwickelt.

In den Sommermonaten entsteht dort ein niedrigschwelliges Angebot mit Konzerten, Theater und unterschiedlichen kulturellen Formaten. Der Eintritt ist grundsätzlich frei; das Angebot wird durch den Verein und Unterstützung getragen. Auch die Stadt beschreibt die Oase inzwischen als kulturellen Treffpunkt und Bereicherung für die Sommermonate.

Genau solche Orte brauchen wir.

Nicht jede Kulturveranstaltung muss eine große Bühne mit tausenden Besucherinnen und Besuchern haben.

Manchmal entsteht Kultur gerade dort, wo Menschen unkompliziert zusammenkommen, Musik hören, miteinander sprechen und einen Sommerabend verbringen.

Kultur braucht große Bühnen – aber eben auch solche kleinen Oasen.

UNSERE MUSEEN BEWAHREN GESCHICHTE – UND ENTWICKELN SICH WEITER

Auch unsere Museumslandschaft haben wir in den vergangenen Jahren gestärkt.

Das Museum Segeberger Bürgerhaus bleibt als wichtiger Ort der Stadtgeschichte erhalten. Mit der neu strukturierten Zusammenarbeit zwischen Volkshochschule und Freundeskreis wurde die Museumsarbeit langfristig abgesichert.

Auch die Kunsthalle Otto Flath haben wir weiterentwickelt.

Sie ist heute das erste inklusive Museum Schleswig-Holsteins. Sehbeeinträchtigte Menschen können dort Skulpturen ertasten und Erläuterungen in Brailleschrift erfahren.

Damit verbinden sich zwei wichtige Ziele:

Kultur bewahren und gleichzeitig für mehr Menschen zugänglich machen.

Und mit der Sanierung der historischen Wollspinnerei Blunck wird ein weiterer besonderer Ort unserer Stadtgeschichte erhalten und für die Zukunft entwickelt. Die Wollspinnerei gehört zu den historischen Sehenswürdigkeiten, mit denen Bad Segeberg seine Geschichte der Industrialisierung bis heute sichtbar machen kann.

UNSERE GESCHICHTE GEHÖRT ZU UNS

2020 habe ich ausdrücklich angekündigt, die Geschichte Bad Segebergs stärker aufzuarbeiten und das ehrenamtliche Engagement dabei zu unterstützen.

In den vergangenen fünf Jahren ist genau das an vielen Stellen geschehen.

Ehrenamtliche Historikerinnen und Historiker, Vereine, Schulen und weitere Akteure beschäftigen sich intensiv mit unserer Stadtgeschichte.

Die Stolpersteine gehören ebenso dazu wie Gedenkveranstaltungen und Projekte zur jüdischen Geschichte unserer Stadt. Die städtischen Kulturinformationen erinnern ausdrücklich daran, dass die jüdische Kultur Bad Segebergs eine rund 200-jährige Geschichte besitzt und seit der Neugründung der jüdischen Gemeinde 2002 wieder lebendig ist.

Mir ist dabei besonders wichtig, dass junge Menschen beteiligt werden.

Wenn Schülerinnen und Schüler an Gedenkveranstaltungen mitwirken, sich mit historischen Ereignissen beschäftigen und die Geschichten der Menschen hinter den Namen kennenlernen, dann wird Erinnerungskultur lebendig.

Geschichte darf nicht nur in Archiven liegen. Sie muss erzählt werden.

BAD SEGEBERG 1644 – GESCHICHTE DIGITAL ERLEBEN

Dabei können auch moderne Technologien helfen.

Mit unserem digitalen beziehungsweise virtuellen Modell lässt sich Bad Segeberg in seiner historischen Gestalt anno 1644 erleben.

Das ist genau die Verbindung, die ich mir wünsche:

Geschichte bewahren und gleichzeitig moderne Möglichkeiten nutzen, um sie einer neuen Generation zugänglich zu machen.

Denn Digitalisierung und Geschichte sind keine Gegensätze.

Wenn wir damit Menschen neugierig auf die Vergangenheit unserer Stadt machen, haben wir viel erreicht.

UNSERE KARL-MAY-SPIELE SIND UNSER TOURISTISCHES AUSHÄNGESCHILD

Kein touristischer Bilanztext über Bad Segeberg wäre vollständig ohne die Karl-May-Spiele.

Sie sind unser bekanntestes touristisches Aushängeschild und bringen Jahr für Jahr hunderttausende Menschen nach Bad Segeberg.

Davon profitieren nicht nur die Spiele selbst.

Davon profitieren Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel und die gesamte Region.

Und deshalb war und ist es mir wichtig, die Karl-May-Spiele nicht isoliert zu betrachten.

Menschen, die wegen Winnetou und Old Shatterhand nach Bad Segeberg kommen, sollen möglichst auch unsere Innenstadt, unsere Gastronomie, unsere Seen, das Noctalis und unsere anderen Angebote kennenlernen.

Aus einem Besuch der Karl-May-Spiele soll im besten Fall ein Besuch Bad Segebergs werden.

2026: BAD SEGEBERG ALS GASTGEBER

Das Jahr 2026 zeigt besonders eindrucksvoll, welche Entwicklung unser Veranstaltungsangebot genommen hat.

Neben etablierten Veranstaltungen wie Seefest, Weinfest, Oktoberfest und Winterzauber, den Karl-May-Spielen, Konzerten, Sport- und Kulturveranstaltungen kamen weitere große Ereignisse hinzu.

Ein besonderer Höhepunkt war das European Peoples‘ Festival.

Menschen aus zwölf Nationen kamen nach Bad Segeberg. Eine Woche lang wurde unsere Stadt zu einem Ort internationaler Begegnung, mit Kultur, Sport und gemeinsamem Feiern.

Damit wurde etwas sichtbar, was Kultur für mich im besten Sinne leisten kann:

Menschen zusammenbringen, die unterschiedliche Sprachen sprechen und aus unterschiedlichen Ländern kommen – und trotzdem innerhalb kürzester Zeit Gemeinschaft schaffen.

Auch unsere Städtepartnerschaften tragen genau diesen Gedanken. Die Stadt beschreibt sie selbst als Instrument, um Freundschaften über Grenzen hinweg zu stärken, kulturellen Austausch zu fördern und einen Beitrag zu einem friedlichen Miteinander zu leisten.

KULTUR ENTSTEHT NICHT IM RATHAUS

Bei all diesen Projekten ist mir allerdings eines besonders wichtig:

Die Stadt kann Rahmenbedingungen schaffen, Räume zur Verfügung stellen, fördern, organisieren und unterstützen.

Aber das kulturelle Leben Bad Segebergs entsteht vor allem durch die Menschen, die sich dafür engagieren.

Vereine, Kulturschaffende, Musikerinnen und Musiker, Künstlerinnen und Künstler, Ehrenamtliche, Veranstalter und viele weitere Menschen sorgen dafür, dass in unserer Stadt etwas passiert.

Unsere Aufgabe als Stadt ist es, dieses Engagement möglich zu machen und dort zu unterstützen, wo Unterstützung gebraucht wird.

Genau dafür haben wir beispielsweise mit der Wiederbelebung der Stiftung Wirtschaft & Kultur ein zusätzliches Instrument geschaffen.

KULTUR DARF ETWAS KOSTEN.

2020 habe ich geschrieben:

„Kultur kann und muss auch Geld kosten, das muss sie uns wert sein.“

Dazu stehe ich auch heute.

Denn Kultur ist keine freiwillige Dekoration einer Stadt.

Kultur schafft Begegnung.

Kultur schafft Identität.

Kultur bringt Menschen in unsere Innenstadt.

Kultur macht Geschichte erlebbar.

Kultur unterstützt Tourismus und Wirtschaft.

Und Kultur ist ein wesentlicher Bestandteil dessen, was eine Stadt lebens- und liebenswert macht.

Wenn ich auf die vergangenen fünf Jahre zurückblicke, haben wir deshalb nicht einfach nur mehr Veranstaltungen durchgeführt.

Wir haben kulturelle Strukturen gestärkt.

Wir haben touristische Angebote modernisiert und digitalisiert.

Wir haben unsere Museen weiterentwickelt und gesichert.

Wir haben Geschichte aufgearbeitet und neue Möglichkeiten geschaffen, sie zu erleben.

Wir haben die Zusammenarbeit mit unseren Nachbarkommunen intensiviert.

Wir haben neue Kulturorte unterstützt.

Und wir haben nach fast 30 Jahren eine Stiftung wieder zum Leben erweckt, die Kultur auch in Zukunft fördern kann.

Darauf können wir aufbauen.

Denn Bad Segeberg ist weit mehr als die Stadt der Karl-May-Spiele.

Aber die Karl-May-Spiele, der Kalkberg, das Noctalis, unsere Museen, unsere Geschichte, die Kalkberg-Oase, unsere Veranstaltungen und die vielen Menschen, die Kultur möglich machen, gehören gemeinsam zu dem, was Bad Segeberg besonders macht.

Diese Vielfalt möchte ich erhalten, stärken und sichtbar machen.

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