ES IST NORMAL, VERSCHIEDEN ZU SEIN.

2020 habe ich meinen Programmpunkt Inklusion mit einem Satz überschrieben, der für mich bis heute gilt:

Es ist normal, verschieden zu sein.

Inklusion bedeutet für mich, selbstverständlich dazuzugehören. Mitreden, mitgestalten und möglichst selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können.

Damals habe ich geschrieben: Der Mensch ist wichtig.

An diesem Anspruch hat sich nichts geändert.

Aber in den vergangenen fünf Jahren haben wir an vielen Stellen daran gearbeitet, aus diesem Anspruch ganz konkrete Veränderungen in unserer Stadt werden zu lassen.

Denn Inklusion entsteht nicht durch einen einzelnen Beschluss.

Sie entsteht dort, wo wir Barrieren erkennen und Schritt für Schritt abbauen.

WAS IST DARAUS GEWORDEN?

Bad Segeberg hatte bereits 2020 mit dem Beirat für Menschen mit Behinderungen wichtige Strukturen geschaffen.

Diese Beteiligung haben wir in den vergangenen Jahren gelebt und weiterentwickelt.

Der Beirat vertritt heute die Interessen von Menschen mit Behinderungen gegenüber Stadtvertretung, Ausschüssen und Verwaltung. Er gibt Stellungnahmen und Empfehlungen ab und entsendet Mitglieder unmittelbar in unsere politischen Ausschüsse.

Das ist für mich entscheidend.

Wir sollten nicht über Menschen mit Behinderungen entscheiden, sondern mit ihnen darüber sprechen, wo Barrieren bestehen und wie wir sie beseitigen können.

Deshalb wird der Beirat auch ganz praktisch eingebunden. Bei der aktuellen Sanierung der Furten entlang der Ziegelstraße haben beispielsweise Vertreterinnen des Beirates die Baustelle besucht und die dort umgesetzten barrierefreien Lösungen begutachtet.

Genau so verstehe ich Beteiligung.

BARRIEREFREIHEIT WIRD BEI UNS MITGEDACHT

Barrierefreiheit betrifft nicht nur Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind.

Eine Bordsteinkante kann für einen Rollstuhlfahrer ein Hindernis sein, aber genauso für einen älteren Menschen mit Rollator oder Eltern mit Kinderwagen.

Schlechte Kontraste können Menschen mit einer Sehbehinderung den Alltag erschweren. Fehlende Aufzüge können ganze Gebäude unzugänglich machen.

Deshalb betrachten wir Barrierefreiheit inzwischen als Querschnittsaufgabe.

Mit unserem Maßnahmenplan „Barrierefreies Bad Segeberg“ erfassen wir bestehende Barrieren und notwendige Verbesserungen. Gleichzeitig können Bürgerinnen und Bürger der Verwaltung selbst Barrieren melden. Die Stadt nennt dabei ausdrücklich Gebäude, Einrichtungen, ÖPNV, Straßen, Gehwege und Plätze als Handlungsfelder.

Auch unser aktuelles Stadtentwicklungskonzept bestätigt diesen Weg: Öffentliche Gebäude und Verkehrsräume sollen kontinuierlich barrierefrei weiterentwickelt werden; der Maßnahmenplan und der Beirat für Menschen mit Behinderungen bilden dafür wichtige Grundlagen.

AUS EINEM ALTEN GEBÄUDE WURDE EIN ORT FÜR ALLE

Ein besonders schönes Beispiel ist für mich unser WortOrt.

Beim Umbau der ehemaligen Stadtbücherei wurde bewusst darauf geachtet, dass Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen die öffentlichen Bereiche möglichst selbstständig nutzen können.

Dafür wurden unter anderem ein Lift in das Bestandsgebäude eingebaut und höhenverstellbare Computerarbeitsplätze geschaffen.

2023 wurde der WortOrt dafür vom Sozialverband Deutschland mit dem Gütesiegel für besonderes Engagement für die Teilhabe von behinderten und älteren Menschen in der Gesellschaft ausgezeichnet.

Das freut mich besonders, weil der WortOrt heute ein Ort der Begegnung sein soll.

Und ein Ort der Begegnung funktioniert nur dann wirklich, wenn möglichst alle Menschen hineinkommen und ihn nutzen können.

AUCH UNSERE SCHULEN MÜSSEN FÜR ALLE DA SEIN

Noch im selben Jahr wurde mit der Theodor-Storm-Schule eine zweite städtische Einrichtung vom SoVD für ihr Engagement für Barrierefreiheit ausgezeichnet.

Dort wurden unter anderem schwellenlose Wege geschaffen, Treppen für Menschen mit Sehbehinderung kontrastreicher gestaltet und weitere bauliche Details nachgebessert.

Die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung würdigte Bad Segeberg dabei ausdrücklich als Stadt, die sich bei Barrierefreiheit und Inklusion auf einem guten Weg befindet.

Zwei Auszeichnungen innerhalb eines Jahres sind für mich deshalb nicht nur schöne Plaketten an unseren Gebäuden.

Sie zeigen, dass unsere Arbeit wahrgenommen wird.

Und sie sind gleichzeitig Verpflichtung, diesen Weg weiterzugehen.

EIN SPIELPLATZ, AUF DEM MÖGLICHST ALLE KINDER SPIELEN KÖNNEN

Inklusion beginnt für mich bereits im Kindesalter.

Deshalb ist der integrative Spielplatz am Konrad-Adenauer-Ring ein weiteres wichtiges Projekt der vergangenen Jahre.

2025 wurde dort ein neuer integrativer Spielplatz realisiert. Bereits die Ausschreibung der Stadt weist das Projekt ausdrücklich als „Neubau integrativer Spielplatz“ aus.

Für mich steckt dahinter ein wichtiger Gedanke:

Kinder fragen beim Spielen normalerweise nicht zuerst danach, welche Einschränkung jemand hat.

Sie wollen miteinander spielen.

Unsere Aufgabe ist es, die Voraussetzungen dafür zu schaffen.

Und genau deshalb brauchen wir öffentliche Räume, die möglichst vielen Menschen offenstehen.

KULTUR MUSS MAN AUCH FÜHLEN KÖNNEN

Inklusion findet aber nicht nur in Schulen, auf Straßen oder Spielplätzen statt.

Auch Kultur muss zugänglich sein.

Ein außergewöhnliches Beispiel dafür ist unsere Kunsthalle Otto Flath.

Sie ist das erste inklusive Museum Schleswig-Holsteins. Dort können sehbeeinträchtigte Menschen Skulpturen ertasten und Informationen in Brailleschrift erfahren. 2025 wurde dieser inklusive Ansatz zusätzlich mit einem Schulprojekt verbunden, bei dem sich Kinder mit Wahrnehmung, Sehbehinderung und Teilhabe auseinandergesetzt haben.

Das gefällt mir besonders, weil es zeigt:

Barrierefreiheit bedeutet nicht nur, irgendwo eine Rampe zu bauen.

Inklusion bedeutet auch, Angebote anders zu denken.

Kunst kann betrachtet werden.

Aber Kunst kann eben auch ertastet und gefühlt werden.

AUCH UNSERE WEGE MÜSSEN FÜR ALLE FUNKTIONIEREN

In den vergangenen Jahren haben wir Barrierefreiheit zunehmend auch bei unseren Verkehrsprojekten berücksichtigt.

Ein aktuelles Beispiel sind die Furten entlang der Ziegelstraße.

Sie werden höhengleich und barrierefrei ausgebaut. Neben einer höheren Verkehrssicherheit für den Radverkehr verbessert die Maßnahme ausdrücklich auch die Führung und Sichtbarkeit für Fußgängerinnen und Fußgänger.

Solche Maßnahmen wirken auf den ersten Blick vielleicht unspektakulär.

Für Menschen, die täglich mit Barrieren umgehen müssen, können wenige Zentimeter Höhenunterschied aber einen erheblichen Unterschied machen.

Deshalb muss Barrierefreiheit bei der Planung unserer Straßen, Wege, Gebäude und öffentlichen Räume von Anfang an mitgedacht werden und darf nicht erst nachträglich hinzukommen.

INKLUSION IST MEHR ALS BARRIEREFREIES BAUEN

Bei all diesen sichtbaren Beispielen möchte ich Inklusion aber nicht auf bauliche Barrierefreiheit reduzieren.

Eine inklusive Stadt bedeutet für mich auch, Informationen verstehen zu können, an politischen Entscheidungen beteiligt zu werden, Kultur und Bildung nutzen zu können und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Deshalb gibt es Informationen des Beirates für Menschen mit Behinderungen beispielsweise auch in Leichter Sprache.

Auch bei der Digitalisierung unserer Verwaltung und unserer neuen Internetseite spielt Zugänglichkeit deshalb eine Rolle.

Dabei will ich nicht behaupten, wir seien schon am Ziel: Die eigene Barrierefreiheitserklärung der städtischen Website weist weiterhin einzelne Bereiche aus, die noch nicht vollständig barrierefrei sind.

Auch das gehört für mich zu einer ehrlichen Bilanz.

Barrierefreiheit ist kein Zustand, den man irgendwann abhakt.

Sie ist eine dauerhafte Aufgabe.

VON „FÜREINANDER“ ZU „MITEINANDER“

Vielleicht beschreibt genau das die Entwicklung der vergangenen fünf Jahre am besten.

Inklusion bedeutet nicht, dass einige wenige etwas für Menschen mit Behinderungen machen.

Es geht darum, unsere Stadt miteinander zu gestalten.

Der Beirat für Menschen mit Behinderungen bringt seine Erfahrungen unmittelbar in politische Beratungen ein.

Bei Bauprojekten wird Barrierefreiheit berücksichtigt.

Mit WortOrt und Theodor-Storm-Schule haben wir ausgezeichnete Beispiele dafür, wie öffentliche Gebäude für unterschiedliche Bedürfnisse gestaltet werden können.

Mit dem integrativen Spielplatz schaffen wir Begegnung bereits im Kindesalter.

Mit der Kunsthalle Otto Flath ermöglichen wir einen anderen Zugang zu Kultur.

Und mit barrierefreien Verkehrsprojekten versuchen wir, Stück für Stück Hindernisse aus dem öffentlichen Raum zu entfernen.

Das alles sind einzelne Schritte. Aber zusammengenommen verändern sie unsere Stadt.

ES IST NORMAL, VERSCHIEDEN ZU SEIN.

Wenn ich heute auf meinen Programmpunkt von 2020 zurückblicke, ist Bad Segeberg noch keine vollständig barrierefreie Stadt.

Das wäre auch keine ehrliche Behauptung.

Aber wir haben in den vergangenen fünf Jahren konkrete Barrieren abgebaut, öffentliche Einrichtungen barrierefreier gestaltet, inklusive Angebote geschaffen und Menschen mit Behinderungen stärker in die Gestaltung unserer Stadt einbezogen.

Darauf können wir aufbauen.

Denn Inklusion ist für mich keine freiwillige Zusatzleistung und kein Thema für eine einzelne Personengruppe.

Eine Rampe hilft dem Rollstuhlfahrer – aber auch Eltern mit Kinderwagen.

Ein Aufzug hilft Menschen mit Gehbehinderung – aber genauso älteren Menschen.

Gut lesbare Informationen und klare Wege helfen Menschen mit Einschränkungen – und machen gleichzeitig allen anderen das Leben einfacher.

Von einer barrierefreien Stadt profitieren am Ende wir alle.

Deshalb bleibt der Satz von 2020 auch für die kommenden Jahre mein Anspruch:

Es ist normal, verschieden zu sein.

Und deshalb möchte ich, dass Bad Segeberg eine Stadt ist, in der nicht die Frage gestellt wird, warum jemand anders ist.

Sondern eine Stadt, in der wir uns fragen:

Was müssen wir tun, damit alle dazugehören können?

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