VERKEHR UND INFRASTRUKTUR: AUS STILLSTAND WIRD BEWEGUNG.

2020 habe ich geschrieben, dass Bad Segeberg vor großen verkehrspolitischen Herausforderungen steht.

Im Mittelpunkt stand schon damals ein Projekt, das unsere Stadt seit Jahrzehnten beschäftigt: die A20.

Gleichzeitig war mein Anspruch, Mobilität insgesamt moderner zu denken: den öffentlichen Nahverkehr auszubauen, Rad- und Fußverkehr zu stärken, Verkehrsströme intelligenter zu lenken und unsere Infrastruktur so weiterzuentwickeln, dass unterschiedliche Mobilitätsformen besser miteinander verbunden werden.

Dabei ging und geht es mir nicht darum, eine Verkehrsart gegen eine andere auszuspielen.

Mobilität muss für alle funktionieren.

WAS IST DARAUS GEWORDEN?

In den vergangenen fünf Jahren haben wir zahlreiche konkrete Projekte umgesetzt und weitere auf den Weg gebracht.

Wir haben den ÖPNV ausgebaut, in Radverkehr und Barrierefreiheit investiert, neue Fahrradabstellmöglichkeiten geschaffen, Verkehrssteuerung digitalisiert und mit SEMOKOplus begonnen, die Mobilität der kommenden 10 bis 15 Jahre neu zu denken.

Aber eine Entwicklung steht für mich über allem:

DIE A20 KOMMT.

2020 habe ich ein klares Versprechen gegeben:

Ich werde mich mit aller Kraft für den Weiterbau der A20 einsetzen.

Dieses Versprechen habe ich eingelöst.

Über viele Jahre wurde über die A20 geplant, gestritten und vor Gericht verhandelt. Nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 2013 herrschte beim entscheidenden Abschnitt rund um Bad Segeberg jahrelanger Stillstand. Noch 2025 wurde gegen den neuen Planfeststellungsbeschluss geklagt.

Viele glaubten kaum noch daran, dass tatsächlich gebaut werden würde.

Ich wollte mich damit nicht abfinden.

In den vergangenen Jahren habe ich mich deshalb als Bürgermeister intensiv in den Prozess eingebracht. Ich habe für Bad Segeberg an Gesprächen und Verhandlungen teilgenommen, zwischen unterschiedlichen Interessen vermittelt, den Austausch zwischen den umliegenden Kommunen und dem Land unterstützt und immer wieder deutlich gemacht, welche Bedeutung die A20 für unsere Stadt und die gesamte Region hat.

Auch gegenüber der Bundesregierung habe ich mich dafür eingesetzt, dass nach einer rechtlichen Einigung die erforderlichen finanziellen Mittel zur Verfügung stehen und aus Baurecht auch tatsächlich Baubeginn wird.

Die entscheidende Wende gelang 2025.

Nach 16 Jahren juristischen Tauziehens wurde unter Federführung unseres Verkehrsministers Claus Ruhe Madsen eine außergerichtliche Einigung mit dem BUND erreicht. Dazu gehört eine mit 14 Millionen Euro ausgestattete Stiftung für den Fledermausschutz sowie weitere Naturschutzmaßnahmen im Travetal. Der BUND zog daraufhin seine Klage zurück.

Nur wenige Wochen später erteilte der Bund die Baufreigabe.

Und am 28. Mai 2026 standen wir tatsächlich gemeinsam an der B206:

Erster Spatenstich. Die A20 wird gebaut.

Der rund zehn Kilometer lange Abschnitt zwischen Wittenborn und Weede beinhaltet die Umfahrung Bad Segebergs und gilt gerade wegen der erwarteten Entlastung vom Durchgangs- und Schwerverkehr als Schlüsselabschnitt für unsere zukünftige Stadtentwicklung.

Darauf bin ich stolz.

Nicht, weil ein Bürgermeister allein eine Autobahn bauen könnte. Ein Projekt dieser Größenordnung gelingt nur gemeinsam mit Land, Bund, DEGES, Autobahn GmbH, Umweltverbänden, Kommunen und vielen weiteren Beteiligten.

Aber ich kann für meine Bilanz auch sagen:

Ich habe nicht am Spielfeldrand gestanden. Ich habe mich eingemischt, vermittelt, Gespräche geführt, für Bad Segebergs Interessen geworben und dort Druck gemacht, wo Entscheidungen notwendig waren.

Für mich ist der Durchbruch bei der A20 deshalb einer der größten Erfolge meiner ersten fünf Jahre als Bürgermeister.

BAD SEGEBERG KANN ENDLICH ZUSAMMENWACHSEN.

Die A20 ist für mich weit mehr als eine Autobahn.

Heute rollt ein erheblicher Teil des überregionalen Verkehrs mitten durch Bad Segeberg. Nach Angaben zur Verkehrsbelastung sind es auf der B206 rund 33.000 Fahrzeuge täglich, darunter tausende Lkw.

Die Umfahrung eröffnet uns deshalb völlig neue Möglichkeiten.

Wenn der Durchgangsverkehr künftig nicht mehr in diesem Umfang durch unsere Stadt fahren muss, können wir Straßenräume neu denken, Verbindungen verbessern und Stadtteile stärker miteinander verbinden.

Genau deshalb bezeichnet auch unser Mobilitätskonzept den Weiterbau der A20 als „einmalige historische Chance“, Verkehr neu zu organisieren und öffentliche Räume lebenswerter zu gestalten.

Bad Segeberg bekommt die Chance, endlich stärker zusammenzuwachsen.

Diese Chance müssen wir nutzen.

MIT SEMOKOplus DIE MOBILITÄT VON MORGEN PLANEN

Deshalb schauen wir nicht erst auf unsere Verkehrsstruktur, wenn die A20 fertiggestellt ist.

Mit SEMOKOplus – Neue Wege für Bad Segeberg entwickeln wir bereits heute ein Mobilitätskonzept für die kommenden 10 bis 15 Jahre.

Dabei betrachten wir Mobilität als Gesamtsystem: Fußverkehr, Radverkehr, Kfz- und Wirtschaftsverkehr sowie den öffentlichen Verkehr. Hinzu kommen Themen wie Barrierefreiheit, Verkehrssicherheit, Elektromobilität und neue Mobilitätsangebote.

Die zentrale Frage lautet:

Wie soll Bad Segeberg aussehen, wenn der heutige Durchgangsverkehr nicht mehr unsere Stadt bestimmt?

Diese Diskussion möchte ich gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern führen.

DEN ÖPNV AUSGEBAUT

Auch beim öffentlichen Nahverkehr ist es nicht bei meinem Prüfauftrag aus dem Jahr 2020 geblieben.

Unser Stadtbusangebot wurde um eine dritte Route erweitert.

Besonders wichtig war mir dabei die bessere Anbindung der Rosenstraße und des Gewerbegebietes. Obwohl die ursprüngliche Planung bereits mit zwei Routen abgeschlossen war, konnten wir gemeinsam mit dem Kreis eine zusätzliche Verbindung ermöglichen.

Für die Stadt besonders erfreulich: Kostenträger ist der Kreis Segeberg.

Das ist für mich ein gutes Beispiel dafür, wie Zusammenarbeit funktionieren sollte: Bedarf erkennen, miteinander reden und gemeinsam eine Lösung finden.

RADVERKEHR: AUS EINEM ZIEL WIRD EINE DAUERAUFGABE

Bereits 2020 habe ich die Entwicklung und den Erhalt unserer Radwege zu einem Schwerpunkt gemacht.

Inzwischen haben wir das Thema auch personell professionalisiert.

Mit unserer Radverkehrsingenieurin haben wir erstmals eigene Fachkompetenz geschaffen, die sich gezielt mit der Entwicklung der Radverkehrsinfrastruktur beschäftigt. Viele Projekte konnten dadurch in den vergangenen Jahren vorbereitet und umgesetzt werden – und diese Entwicklung nimmt weiter Fahrt auf.

Wir haben neue Fahrradabstellanlagen geschaffen und berücksichtigen den Radverkehr bei neuen Bau- und Infrastrukturprojekten heute konsequenter.

Bei der Unterführung am Landratspark wurde beispielsweise die Verbindung zwischen Südstadt und Innenstadt modernisiert und die Führung für Radfahrer verbessert.

Auch die Furten entlang der Ziegelstraße werden barrierefrei umgebaut und zugleich für den stark frequentierten Radverkehr sicherer gestaltet.

Für mich ist das der richtige Weg: Radverkehr nicht mit Einzelmaßnahmen behandeln, sondern bei der Entwicklung unserer Infrastruktur selbstverständlich mitdenken.

ZOB: VERKEHRSMITTEL MITEINANDER VERBINDEN

Moderne Mobilität funktioniert nur, wenn der Wechsel zwischen unterschiedlichen Verkehrsmitteln möglichst einfach ist.

Deshalb haben wir rund um den ZOB in moderne Infrastruktur und Fahrradabstellmöglichkeiten investiert.

Die Weiterentwicklung dieses Bereiches soll dabei nicht enden. Perspektivisch wollen wir unterschiedliche Mobilitätsangebote noch stärker miteinander verknüpfen und einen Mobility Hub entwickeln.

Damit setzen wir einen Gedanken um, den ich bereits 2020 formuliert habe: Mobilität muss vernetzt gedacht werden.

VERKEHR INTELLIGENTER STEUERN

Auch digitale Verkehrssteuerung ist inzwischen keine reine Zukunftsidee mehr.

Ein sichtbares Beispiel ist das Verkehrsleitsystem rund um die Karl-May-Spiele.

Digitale Anzeigetafeln helfen dabei, die jährlich großen Besucherströme gezielt zu den verfügbaren Parkmöglichkeiten zu führen, unnötigen Suchverkehr zu vermeiden und insbesondere An- und Abreise besser zu koordinieren.

Gerade bei mehreren hunderttausend Gästen pro Saison zeigt sich, welchen Unterschied intelligente Verkehrslenkung machen kann.

Für mich bleibt Digitalisierung dabei ein Werkzeug und kein Selbstzweck:

Sie ist dann sinnvoll, wenn sie Mobilität einfacher macht und Verkehrsströme besser organisiert.

ÖFFENTLICHE RÄUME NEU DENKEN

Mobilität bestimmt ganz wesentlich, wie wir eine Stadt wahrnehmen.

Deshalb geht es nicht allein darum, Menschen möglichst schnell von A nach B zu bringen.

Straßen und Plätze sind auch öffentliche Räume.

Mit der Überplanung der Kurhausstraße haben wir deshalb begonnen, darüber nachzudenken, wie solche Bereiche offener und attraktiver gestaltet werden können.

Gerade nach Fertigstellung der A20 werden sich dafür neue Möglichkeiten eröffnen.

Dann können auch Konzepte wie Shared Space, veränderte Verkehrsführungen oder zeitweise verkehrsreduzierte Bereiche dort geprüft werden, wo sie tatsächlich einen Mehrwert bringen.

Für mich gilt dabei:

Nicht Ideologie entscheidet, sondern ob eine Lösung für Bad Segeberg funktioniert.

NICHT JEDE IDEE FUNKTIONIERT.

2020 habe ich auch die Einrichtung einer Carsharing-Station mit Elektrofahrzeugen vorgeschlagen.

Diese Möglichkeit haben wir gemeinsam mit einem lokalen Anbieter geprüft.

Das Ergebnis war allerdings, dass sich ein solches Angebot unter den damaligen Bedingungen nicht wirtschaftlich betreiben ließ.

Auch das gehört für mich zu einer ehrlichen Bilanz.

Mein Anspruch ist nicht, jede einzelne Idee aus dem Jahr 2020 um jeden Preis umzusetzen.

Mein Anspruch ist, Ideen ernsthaft zu prüfen, weiterzuentwickeln und das umzusetzen, was für Bad Segeberg tatsächlich sinnvoll und tragfähig ist.

STRASSENAUSBAUBEITRÄGE: DIE GRUNDSATZENTSCHEIDUNG STEHT NOCH AUS

Bereits 2020 habe ich einen offenen Austausch über die Straßenausbaubeiträge gefordert und dafür geworben, die unterschiedlichen Möglichkeiten transparent gegenüberzustellen.

Dieses Thema beschäftigt uns bis heute.

Die Frage ist dabei im Kern unverändert:

Wie wollen wir zukünftige Straßenausbaumaßnahmen finanzieren?

Weiterhin über Beiträge der betroffenen Grundstückseigentümer oder stärker beziehungsweise vollständig über allgemeine Haushaltsmittel?

Für mich müssen die unterschiedlichen Modelle, ihre rechtlichen Konsequenzen und vor allem ihre finanziellen Auswirkungen transparent dargestellt werden.

Die Entscheidung darüber ist eine politische Grundsatzentscheidung der Stadtvertretung.

Ich hoffe, dass wir diese Entscheidung jetzt treffen.

AUS STILLSTAND IST BEWEGUNG GEWORDEN.

Wenn ich heute auf mein Programm von 2020 zurückblicke, hat sich im Bereich Verkehr und Infrastruktur vieles verändert.

Wir haben den ÖPNV erweitert, Radverkehr personell und infrastrukturell gestärkt, Fahrradabstellmöglichkeiten geschaffen, Verkehrssteuerung digitalisiert, Straßen und Wege modernisiert und mit SEMOKOplus die Grundlage dafür geschaffen, die Mobilität Bad Segebergs langfristig neu zu ordnen. Das Konzept selbst betrachtet ausdrücklich alle wesentlichen Verkehrsarten gemeinsam und verbindet die Mobilitätsplanung mit den Chancen, die durch die A20 entstehen.

Aber über allem steht für mich die A20.

2020 habe ich versprochen, mich für ihren Bau einzusetzen.

Fünf Jahre später war die entscheidende juristische Hürde beseitigt. Der Bund stellte die Finanzierung sicher. Und 2026 haben die Bauarbeiten begonnen.

Damit ist aus einem jahrzehntelangen Stillstand endlich Bewegung geworden.

Jetzt beginnt die nächste Aufgabe.

Wir müssen die historische Chance nutzen, die die A20 unserer Stadt bietet: weniger Durchgangsverkehr, bessere Verbindungen zwischen unseren Stadtteilen, neue städtebauliche Möglichkeiten und eine Mobilität, die für alle funktioniert.

Die A20 wird nicht nur unsere Verkehrswege verändern. Sie gibt uns die Chance, Bad Segeberg neu zu denken und endlich stärker zusammenwachsen zu lassen.

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